Zauberhafte Phänomene

Im ausverkauften Haus feierte Theaterdirektor Michael Holderried mit internationalen Künstlern die Premiere des diesjährigen Weihnachtsvarietés.

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Von Carmen Bedau

BACKNANG. Das wohl kleinste deutsche Varieté mit ständigem Spielbetrieb empfängt den Besucher mit stimmungsvoller Atmosphäre und entführt ihn sofort in eine Traumwelt. Schon im Foyer erwartet den Gast ein alter Original-Puppenspielautomat aus dem Wiener Prater, an dem Kinder wie Erwachsene ihre Freude haben. Der Theaterdirektor rettete ihn vor zwei Jahren vor dem Verfall, machte ihn wieder spieltüchtig und hat ihn dem Traumzeit-Theater als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Wer dann im stimmungsvoll beleuchteten und weihnachtlich geschmückten Gewölbekeller Platz nimmt, kann sich vor und während der Show Speisen und Getränke servieren lassen und einen entspannten Abend genießen.

Für das Programm wurden internationale Künstler und Artisten gewonnen, denn die wirklich Großen der Branche kann man, wie Holderried verrät, nicht einfach engagieren, sondern nur gewinnen. Durch den Abend führte, zusammen mit einem sonderbar kauzigen Hansini, die charmante Niederländerin Sylvia Schuyer, die – selbst Zauberin – auch Tricks zum Besten gab und es verstand, das Publikum auf humorvolle Weise einzubeziehen. Den Auftakt der Show jedoch bestritt ein farbenfroher, phantasievoll gestalteter chinesischer Glücksdrachen auf vier menschlichen Beinen, denen von Chang und Shao Long, (wahrscheinlich) zwei sympathischen jungen Männern, die unter der Verkleidung steckten und im Laufe des Abends einige Male zu sehen sein sollten. So jonglierten sie nicht mit Bällen, Keulen oder Ringen, sondern, ganz reizend und spielerisch witzig, mit Hüten. Sie begeisterten das Publikum mit ihrer Hand-auf-Hand-Akrobatik und imponierten an den Strapaten. Ebenfalls aus der chinesischen Provinz Hebei kommen die talentierte Artistin Ting, die Schirm und Trommel gekonnt mit ihren Füßen zu bewegen wusste, sowie Kai, scheinbar mühelos an der freistehenden Leiter (jener fast ausgestorbenen Varieté-Attraktion) turnend, und Shi, ein mit großen Vasen meisterhaft jonglierender Künstler. Ein Höhepunkt des Abends war das Geisterkabinett des Gastgebers Michael Holderried alias Michael van Reed, das unter der kritischen Kontrolle zweier Herren aus dem Publikum unglaubliche Einblicke in Phänomene der Psychokinese bot. Zusammen mit Donna gab der Künstler den Zuschauern Rätsel um Rätsel auf. Dabei ließ er keinen Zweifel daran, dass es sich um eine Show handelt, und distanzierte sich von Esoterikern: Es sei „eine Welt, welche sich die einen zu erklären versuchen und die anderen als Phänomen ansehen“. Atemberaubend gestaltete sich der Auftritt der erst 15-jährigen Kontorsionistin Allina Ruppel, die, frech gekleidet und zu stimmiger Musik, ihre unbeschreibliche Körperverbiegekunst präsentierte. Wirklich magisch wurde es, als Sylvia Schuyer, die eben noch schnödes Papier zu Geld verwandelt hatte, die berührende, von ergreifender Musik unterlegte Geschichte einer Erinnerung an ihren Vater erzählte. Danach zauberte sie einen märchenhaften Schneesturm herbei und schenkte dem Publikum so buchstäblich eine Traumzeit. Schließlich kam Hansini noch einmal auf die Bühne und schminkte sich zum bewegenden „Lullaby“ vor einem Sternenhimmel ein traurig-schönes Clownsgesicht – nachdenklicher Ausklang eines amüsanten Abends.

Vorstellungen gibt es freitags und samstags um 20 Uhr, sonntags um 14.30 und 19 Uhr. Vom 25. Dezember bis 8. Januar finden dann täglich Vorstellungen statt. Das im Hause befindliche Kalanag-Museum wird jeweils zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn geöffnet.